Zwischentitel — Magazin für Stummfilm und Filmgeschichte.
Zwischentitel ist ein monatlich erscheinendes Stummfilm-Journal in deutscher Sprache. Wir schreiben über die Stummfilm-Ära 1894–1929 als kontinuierlich lebendige Praxis — über Klassiker von Murnau und Lang bis Chaplin und Keaton, über Restaurations-Werkstätten der F.W. Murnau-Stiftung und des Deutschen Filminstituts, über Festivals von Bonn bis Pordenone und über die Live-Begleitungs-Tradition, die Stummfilm in der Gegenwart hält. Kein nostalgisches Memorial-Heft, keine cineastische Geheimwissenschaft — ein Magazin, das jeden Monat erscheint und sich an Leute richtet, die Stummfilm als laufende kulturelle Disziplin verstehen.
Der Takt ist monatlich. Acht Ressorts — Klassiker, Komödie, Drama, Avantgarde, Musik, Restauration, Geschichte, Praxis — bilden das Gerüst, in dem wir kontinuierlich publizieren. Nicht jede Ausgabe füllt alle acht Felder gleich stark; manchmal verdichten sich vier Texte um die Bonn-Stummfilmtage im August, manchmal liegt der Schwerpunkt auf einer einzelnen Murnau-Stiftungs-Restaurations-Bilanz. Die aktuelle Juni-2026-Ausgabe hat ihren Schwerpunkt in der nahenden Bonn-Stummfilmtage 2026 (42. Edition, 6.–16. August) mit Seitenblicken auf den Tod Carl Davis 2023 und seine bleibende Neuvertonungs-Praxis und auf eine längere Recherche zur F.W. Murnau-Stiftungs-Bilanz 2025–2026.
Gegründet wurde das Magazin im Sommer 2004, im Umfeld der damals stark wachsenden deutschen Stummfilm-Festival-Szene und der einsetzenden DVD-Edition-Welle für klassisches Stummfilm-Erbe. Was als Korrespondenz zwischen Restaurations-Werkstatt und Live-Begleitungs-Studio begann, ist seither zu einer fortlaufenden Publikation geworden, die sich an Cinephile, Filmwissenschaftler:innen und Stummfilm-Pianist:innen gleichermaßen richtet. Wir verstehen 2004 als Gründungsmoment, nicht als Thema.
Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen klassischer Filmgeschichte und gegenwärtiger Restaurations-Wissenschaft. D.W. Griffith hat die Drei-Akt-Erzählform technisch durchgesetzt, F.W. Murnau hat den Expressionismus zur Welt-Sprache gemacht, Buster Keaton hat die Slapstick-Geometrie geometrisch durchdacht, Sergei Eisenstein hat die Montage-Theorie argumentativ entfaltet — und heute publizieren Cineteca di Bologna, Filmoteca Española, F.W. Murnau-Stiftung, British Film Institute, Le Giornate del Cinema Muto auf den Schultern dieser Linie Restaurations-Editionen und Festival-Programme, die ohne sie nicht denkbar wären. Wir behandeln Stummfilm als das, was er tatsächlich ist: keine museale Erinnerung, sondern eine an Filmkopie und Live-Klavier laufende Kunst-Praxis.
Geschrieben ist Zwischentitel für Cinephile, die ihre Stummfilm-Praxis konzeptuell aufbauen, für Filmwissenschaftler:innen, die ihre Lehr- und Forschungs-Arbeit auf laufenden Restaurations-Stand basieren wollen, für Stummfilm-Pianist:innen, die ihre Repertoire-Pflege im Auge behalten, und für Filmarchiv-Praktizierende, die zwischen Murnau-Stiftung und Cineteca-Bologna die laufende Restaurations-Diskussion verfolgen. Wir setzen Vertrautheit mit grundlegenden filmhistorischen Begriffen voraus, aber keinen Filmwissenschafts-Abschluss; eine Filmrestauratorin wird hier nichts Neues über Acetat-Migration lernen, eine engagierte Stummfilm-Liebhaberin mit drei Jahren Festival-Erfahrung vielleicht schon.
Gastbeiträge
Zwischentitel nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text geschrieben hat — Werks-Analyse, Restaurations-Bericht, Festival-Erlebnis, Komponisten-Portrait — und ihn bei uns sehen möchte, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche und honorieren angenommene Beiträge nach festen Sätzen. Kürze ist kein Nachteil, eine präzise zitierte Restaurations-Notation sagt mehr als drei Absätze Prosa, und wer FIAF-Standards beziffert, hat schon gewonnen.
Stummfilm ist für uns kein Genre-Etikett. Es ist die seltene Disziplin, in der eine 100 Jahre alte Murnau-Einstellung am Sonntagabend in Bonn am Konzertflügel noch immer neu vertont wird.